Es fühlt sich an, als hätte man soeben erst den neuen Semesterplan erhalten, da ist das Semester auch schon wieder rum. Man sagt ja, dass einem mit zunehmendem Alter die Zeit schneller vorkomme, alles verginge rasanter, das Jahr wäre viel schneller vorüber. Heißt also in gut zwanzig Jahren, wenn ich circa den Zenit meiner Halbwertzeit überschritten habe, ist nach einem Blinzeln das Jahr schon rum?! Wow! Oder ist das nur in Köln so mit der Zeit? Wie froh war ich, als mir zu Beginn des dritten Semesters schon das fertige Foto für „Altes Handwerk“ gelang!

Semesterende ist gleich Semesteranfang

Nun blicke ich zurück auf einige Monate voller Fotos und Verzweiflung. Hoffnung, Gespräche und sich mal etwas trauen – alles war dabei. Ich habe nun drei Wochen Zeit, mich um Liegengebliebenes zu kümmern. Dann geht das nächste Semester schon wieder los. Oh, sagte ich drei Wochen? Upps, eine davon ist schon wieder rum und noch nichts ist erledigt. Geht ja schon gut los…. Ich nutze diese Zeit aber auch für Beobachtungen. Obwohl ich jetzt noch keine neuen Aufträge zu bearbeiten habe, drehen sich meine Gedanken schon um mögliche Ideen für das freie Projekt. Und ich denke über meine gerade vergangenen, bewerteten Projekte nach. Was habe ich bei jedem einzelnen lernen können? Welche Schwierigkeiten ergaben sich und wie konnte ich sie lösen? 

Neue Aufträge braucht der Student

Nachdem es für das frische dritte Semester die obligatorische Liste mit 9 quasi jungfräulichen Aufgaben gab, ratterte es ein unseren angestrengten Köpfen sofort los. Das Stillleben für das alte Handwerk konnte ich sehr früh zum Semesterstart aufbauen, fotografieren und abhaken. Auch das illustrative Portrait ging trotz Ideenmangels recht leicht von der Hand. Ich war zwar nicht ganz zufrieden, aber schließlich warteten noch ganz andere „Auftragsbrocken“ auf mich. Allein die Auswahl für das tableau vivant zu treffen war eine Herausforderung. Die Umsetzung noch eine völlig andere. Und dann die fertige Version zu erschaffen… ich sage nur Kombination aus Schaschlikspießen, Fotos und Styropor. Besonders die Terminierung der sehr umfangreichen Betriebsreportage und der homepage- Fotos war eine kaum überwindbare Hürde für mich. Nachdem ich erst nach einem halben Semester zwei Betriebe gefunden hatte, die für mich irgendwie in meinen Kalender passten, mussten sich dort auch noch eine Unmenge an Fotos machen lassen. Und es winkten noch direkt einige Nacholtermine, um weitere Fotos zu machen. Der Kopf qualmte. Der Auslöser glühte. Die Ideen wuchsen heran. Wurden gestrichen. Standen auf wie Phönix aus der Asche. Wurden wieder verworfen. Unterm Strich kamen zwar beide Aufträge mittelprächtig bei der Endbeurteilung weg – aber sind wir mal alle ganz ehrlich: ich werde kein Reportagefotograf! 

Starke Einflüsse und Prioritäten

Natürlich hatten wir, wie auch in beiden anderen Semestern, Gastdozenten. Dieses Mal erhielten wir bei der Umsetzung der Betriebsreportage Unterstützung durch Sylvia Steinbach und Christian Ahrens von Ahrens+Steinbach Projekte. Durch die professionelle, aber auch unfassbar aufwendige Fotografie mit sehr magischer location- Ausleuchtung bekam man allerhand Input für die eigene Reportage. Bei mir war es so viel, dass ich völlig das Maß verlor und eine Zeit lang mit total falschen Vorstellungen in die Reportage ging. Erst im zeitlich letztmöglichen Termin ergaben sich noch einige brauchbare Bilder mit der gezeigten Technik. Dachte ich. Zugegeben, bei der Beurteilung sah die Meinung dazu ganz anders aus. Langsam dämmert mir auch, in wie weit ich mich in dem Projekt verrannt hatte. Aber zur gänzlichen Klärung fehlt es mir noch an abschließenden Gedanken. Allerdings wird es auch noch mindestens einen Termin mit meinem Projekt- Betrieb geben, um weitere, noch fehlende Bilder zu erstellen. Denn es fehlte wie im gesamten Semester die Zeit. Es war wirklich erschreckend. Ich habe mir für das vierte, letzte Semester fest vorgenommen, die Ordnung meiner Prioritäten weiter zu optimieren. 

Zeit ist für alle da – nur manchmal anders

Wie wir alle schon längst wissen: der Tag hat 24 Stunden. Keine mehr, keine weniger. Doch ich könnte schwören, dass es an manchen Tagen deutlich weniger sind. Da fliegt einem während der Arbeit schon die Zeit um die Ohren, Aufgaben prasseln auf einen ein, und zack – der Tag ist rum. Doch anschließend wartet noch ein Teil des Fotoprojektes, den man heute noch „mal eben“ fertigstellen möchte. Oder ein Termin, in dem man „nur kurz“ ein paar Kleinigkeit abfotografieren möchte. Höchstens eine Stunde wird es dauern. Und das in Kooperation mit Menschen, die selber schon einen kompletten Tag Arbeit hinter sich haben, und nur aus Nettigkeit für dich noch etwas Zeit hinten dran hängen. Okay, danach gibt es für sie Fotos für die homepage. Aber erstmal sind da nur du und deine Kamera und die tickende Uhr. Tick Tack.

Unterm Strich kamen zum Schluss diesen Semesters echt viele Bilder zustande. In den elf Stunden, die ich ziemlich einsam mit meinem piepsenden Drucker im stets gleich beleuchteten Arbeitszimmer verbrachte, war ich überrascht. Die Menge der Bilder haute mich regelrecht vom Hocker. Nach ungefähr der Hälfte des Semesters suchte ich recht verzweifelt das Gespräch mit Frank Dürrach einem unserer zwei Dozenten an der Fotoakademie Köln. Mich beschlich das Gefühl, kaum etwas zu schaffen und überall hinterher zu hinken. Doch den Abend vor der Beurteilung hatte das Druckszenario eher etwas vom „Zauberlehrling“. Das brachte wenigstens etwas Beruhigung.

Und wie bei der Sache mit dem Besen und dem Wasser sind auch hier viele Güsse und Geister, die nun nicht mehr loslassen wollen. Doch bei Kreativität, so scheint es mir zumindest jetzt noch, ist dies erst einmal ein Segen. Oder?

 

 

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