Revierkunst – ein Museum wird mit esprit gefüllt

3. November 2016 @ 20:33

Je mehr es auf September zuging, desto aufgeregter wurde ich – die Revierkunst nahte, jeden Tag rückte sie in meinem Kalender ein Stückchen näher auf mich zu.

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal dabei. 20160911_122701723_ios

Auf einer anderen Veranstaltung lernte ich zwischen meinen Blaudrucken, Metallskulpturen und Ölgemälden die Kuratorin der Revierkunst kennen – ohne zu ahnen wer da vor mir stand, plauderte ich mit Sonja Henseler, erzählte ihr von der Technik des Blaudrucks und was ich so alles mit meiner Kamera anstelle. Bis sie sich irgendwann vorstellte und mir von der Revierkunst erzählte. In dem Moment war ich doch etwas geschockt, da ich vorher von den Künstlern um mich herum schon von dieser Veranstaltung hörte und nun wusste, dass meine innere Messlatte ein ganzes Stück nach oben gelegt wurde. Laut Hören-Sagen schien mir diese Revierkunst eine große Sache zu sein.

Was ist eigentlich Revierkunst?

Sonja Henseler wählt seit mehreren Jahren runde 80 Künstler aus verschiedenen Bereichen aus und versammelt sie an einem Wochenende an einem charmanten Ort im Ruhrgebiet. Kunst aus allen Ecken des Reviers und auch einige Gäste von außerhalb dieser Region kommen zu einem bunten Stelldichein zusammen und haben die Möglichkeit, einem kunstinteressierten Publikum ihre Werke zu präsentieren und auch Kontakte zu knüpfen. Also alles in allem für die Beteiligten, ob nun Künstler oder Besucher, eine wunderbare Gelegenheit, Kunst zu erleben.

Tinalog mittendrin

Im Alten Museum in Dortmund, direkt in der City am Ostwall gelegen, sollte ich die Möglichkeit bekommen, eine große Auswahl meiner Blaudrucke zu präsentieren und interessierten Besuchern diese alte Handwerkskunst der Fotografie zugänglich und erfahrbar zu machen.

Da ich zur Zeit noch immer mit dem Titel Künstler in Verbindung mit meiner Person und vor allem meinen Bildern hadere, war es für mich doppelt aufregend zwischen all den „wirklichen“ Künstlern ausstellen zu können. Aber da Sonja auf mich zukam und sich natürlich was bei ihrer Auswahl gedacht hatte, versuchte ich, diesen Zwiespalt wenigstens für dieses Wochenende beiseite zu schieben.

Bei der Besichtigung der noch weißen Wände im Museum teilte Sonja mir zwei Bereiche zu, zwischen denen ich wählen konnte. Ich entschied mich frei aus dem Bauch heraus für ein wunderhübsches Eckzimmer mit einem großen Fenster. Dieses Fenster sollte an dem äußerst warmen Wochenende noch eine besondere Rolle spielen. Denn im Gegensatz zu den großen, weitläufigen Ausstellungsräumen, konnten Johanna und ich unseren Raum mit frischer und bisweilen kühler Luft füllen, was uns immer wieder nette Besuche der anderen Künstler einbrachte.

Nun standen mir also gut 4 Meter Ausstellungsfläche zur Verfügung, welche ich mit meinen plötzlich unfassbar klein wirkenden Blaudrucken füllen konnte. Egal, wie sehr man sich vorher damit beschäftigt und eigentlich genau weiß, wie groß 20x20cm sind – inmitten riesiger weißer Flächen, umgeben von ganz vielen Künstlern mit teilweise meterlangen Bildern kamen mir meine Drucke vor wie Briefmarken.

Zeit – unter Druck entstehen Diamanten

Als der Tag der Hängung nach vielen durchzauberten Nächten in der Dunkelkammer gekommen war, reiste ich mit einer (!) Umhängetasche voller Material nach Dortmund. Hier zahlte sich die Größe meiner Drucke aus. Wo andere Künstler extra große Wagen mieten mussten, um ihre Werke liefern zu können, konnte ich meine Bilder und sämtliches Werkzeug in nur einer Tasche unterbringen.

blaudruck museum ostwall dortmund

blaudrucke museum dortmund

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch mein Fotografie- Studium und die Arbeit, welche dieses Studium finanziert, war ich wie immer etwas in Zeitdruck. Zum Hängen der Bilder hatte ich inklusive Fußweg zur Bahn zwei Stunden Zeit. Ich war so froh, dass ich mir vorher genau überlegt hatte, wie ich meine Bilder präsentieren wollte! Also prallte meine durchorganisierte Welt auf die hektisch- organisierte Aufbauweise von Johanna – meine wunderbar liebreizende Kollegin, mit der ich mir den Eckraum teilen durfte. Sie gehörte zu den Künstlern mit den großen Bildern, welche ich sehr beeindruckend fand. Zur Unterstützung hatte sie ihre Schwester dabei, welche ihr mit Rat und Tat zur Seite stand.

Während ich es irgendwie in zwei Stunden fertig brachte, meine Wände zu vermessen, mit Nägeln zu versehen und dann meine Bilder aufzuhängen, wirbelte Johanna durch den Raum und kämpfte mit der Beschaffenheit der Wände. Erst waren sie zu hart, um überhaupt mit Nägeln gespickt zu werden, dann waren sie plötzlich hinterhältig weich, und ihre Glasrahmen rauschten zu Boden. Die Arme!
Dennoch war Freitag, am Tag der Eröffnung, ein wundervoll künstlerisches Flair entstanden, welches unsere Besucher bis Sonntag genießen konnten.

kunst johanna clara becker malerei

blaudrucke museum ostwall cortmund

Johanna und ich wechselten uns immer mal wieder mit kleinen Pausen ab, in denen auch wir als Künstler Zeit fanden, die Werke der anderen 78 Künstler zu bewundern. Und es gab wirklich so viel zu sehen. Durch Sonjas Geschick bei der Auswahl der Aussteller bot sich ein mannigfa ltiges Spektrum dar. Neben Skulpturen und Malerei fand sich Fotografie, Streetart und Bildhauerei. Jeder konnte etwas finden, das ihm gefiel, ob bunt, schwarzweiß oder aus Holz, Stein oder Glas – beleuchtet oder als Video- Installation. Alle Sinne wurden angesprochen und reichlich bedient, auch für Gesang, Musik und das leibliche Wohl wurde gesorgt.

malerei revierkunst kunst dortmund 2016

Nach einem wunderbaren Wochenende voller Inspiration, netter Gespräche und begeisterten Besuchern kann ich für mich sagen, dass die Revierkunst ein wunderbares Ereignis ist. So einschüchternd und groß sie am Anfang erschien, so wundervoll beflügelnd und großartig stellte sie sich am Ende heraus.

Ich freue mich schon sehr auf die nächste Revierkunst!

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Wer von euch war dieses Jahr ebenfalls dort oder hat in den social media die Ausstellung mit verfolgt? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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